SFB/FK-427 Medien und kulturelle Kommunikation

Mit dem Schlimmsten rechnen

Ein Gespräch des Risikoforschers Gerhard Berz mit Lutz Ellrich und Benno Wagner, moderiert von Walter van Rossum

Dienstag, 28. Juni 2005, 19.00 Uhr im studio dumont, Breite Straße 72, Köln

Ereignisse wie der Tsunami haben gezeigt, dass die Bilder von Katastrophen und ihren Opfern heute nahezu in Echtzeitgeschwindigkeit übertragen werden und so die gesamte Erdbevölkerung zu Zeugen machen. Die Katastrophe scheint allgegenwärtig zu sein. Aber wann wird das bedrohliche Naturereignis als Katastrophe wahrgenommen? Hierfür scheint nicht nur das Ausmaß an Menschenopfern und Schäden ausschlaggebend zu sein, sondern auch die mediale Narration des Ereignisses. Ist die Katastrophenschwelle überschritten, folgt fast unweigerlich der Versuch, das Unerwartete – zumindest zukünftig – in kontrollierbar Erwartetes zu überführen. Die Reaktion wird zugleich zur Prävention, sei es durch die Installation eines Frühwarnsystems oder die umfassende Biometrisierung im Zuge der globalisierten Terroristenjagd. Aktuelle Ereignisse ändern dabei den 'Kurswert' der Absicherung auch aus der ökonomischen Perspektive der Versicherungen. "Der Mensch wollte vermutlich noch nie wahrhaben, dass er in Gefahr ist", fasst der Risiko-forscher Gerhard Berz den Wunsch nach Sicherheit zusammen. Fakten und katastrophische Einbildungskraft hingegen zwingen dazu, mit dem Schlimmsten zu rechnen.

Dr. Gerhard Berz war Leiter der GeoRisikoForschung der Münchener Rückversicherung; Prof. Dr. Lutz Ellrich ist Medienwissenschaftler und Projektleiter am Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg "Medien und kulturelle Kommunikation" in Köln; PD Dr. Benno Wagner ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität-GH Siegen im Fachbereich Literaturwissenschaft; Walter van Rossum ist freier Autor für WDR, Deutschlandfunk, Zeit, FAZ und Freitag.

Veranstaltungstyp: Sonstiges




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